Gestern war ich auf der Decoded Konferenz in der Freiheizhalle in München und ich bin ein bisschen enttäuscht gestern abend zurückgekehrt. Ich muss dazu sagen, dass ich relativ unvorbereitet auf die Konferenz gegangen bin und keine großen Erwartungen hatte, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass ich mich auf einen bestimmten Speaker besonders gefreut hatte. Was ich immer an Konferenzen mag ist, wenn Speaker ihre Ideen, Arbeiten und Ansätze vorstellen und mich dadurch auf neue Ideen bringen oder mich animieren, neue Methoden in meiner eigenen Arbeit anzuwenden.
Die Ankündigung der Decoded klang in diesem Sinne für mich vielversprechend:
„The decoded conference stands for the combination of design and code. It combines creative and technological aspects of our everyday life and brings them all together on a one day kick ass event in the heart of Munich. International speakers from the field of generative design, computational art, information visualization and hardware tinkering are teaming up to share some insights of their work and tell their very own stories.“
Leider war ich von der Qualität der Vorträge etwas enttäuscht. Größtenteils haben sich die Referenten beispielsweise in den Vorträgen von Fluid Forms und eboy auf eine reine Präsentation der Arbeiten konzentriert, ohne die dahinter liegenden Methoden, Prozesse oder übergeordnete Ideen vorzustellen. So faszinierend die vorgestellten Projekte auch sein mochten (und das waren sie!) – so ich fand es schwierig für mich etwas zu formulieren, dass ich aus diesem Vortrag mitnehmen konnte. Dazu kam die teils extrem „lässige“ Vortragsweise, was zwar an sich nicht schlecht ist (und manchmal sogar sehr erfrischend sein kann), aber in ein paar Momenten hatte ich das Gefühl. dass die Referenten sich nicht vorbereitet hatte, sondern einfach mal eben auf die Bühne sind – schade wenn man ein Fachpublikum vor sich hat, das sich gerne inspirieren lassen oder etwas lernen möchte.
Im (nicht sehr belebten) Twitter Stream fiel als Reply auf einen Kommentar, dass das reine Showcasing doch langweilig sei, die Anmerkung, dass es doch um Design und nicht um Content gehe. Schade, wenn das so gesehen wird, denn Design ist für mich ganz klar mehr als „bunte Bilder“ und das reine Herzeigen der Endergebnisse, sondern ein Prozess, eine Problemlösung. Auch wenn ich die Arbeiten als Kunst betrachte, dann steckt dahinter doch eine Idee, über die ich mehr erfahren möchte.
Eine schöne Ausnahme fand ich den Vortrag von Kate Hartmann, die ihre Arbeiten zu Wearable Computing vorgestellt hat. Einmal, weil endlich ein Referent sehr flott und routiniert präsentiert hat, auf der anderen Seite, weil sie ihre konkreten Projekten mit übergeordneten Konzepten und Gedanken verbunden hat. Einen kleiner Eindruck zu Kate und ihren Arbeiten gibt am besten ihr Ted Talk:
Auch der letzte Vortrag von Jer Thorpe aka blprnt schien bei den Teilnehmern laut der Tweets sehr gut anzukommen, aber ich hatte mich vorzeitig schon verabschiedet, nach Kates Vortrag auch einigermassen versöhnt mit dem Tag.
Zur Organisation habe ich auch noch Verbesserungsvorschläge. Die Slots der Vorträge waren auf 45 Minuten angelegt und die Vorträge dauerten auch tatsächlich so lange. Eine Fragerunde nach den Vorträgen war nicht eingeplant, bzw. wurde anschließend eher halbherzig angeboten. Das zuvor kritisierte Format der Vorträge bot auch nicht viel Raum zur Diskussion – denn was möchte man zu einer reinen Portfoliovorstellung noch fragen. Andrerseits habe ich in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass unmittelbare Fragen und Feedback sowohl beim Publikum als auch beim Referenten noch einmal neue Aspekte aufbringen. Und in der Diskussion zwischen Teilnehmern und Referenten liegt ja der klare Vorteil der Konferenz, andernfalls reicht es ja, sich die Vorträge z.B. auf Slideshare anzuschauen. Wenn ein 45 Minuten Slot für 25 Minuten Vortrag und 20 Minuten Fragerunde angesetzt wird, finde ich das vom Verhältnis her perfekt – Voraussetzung ist, dass die Vorträge dann tatsächlich auch als Anregung zur Diskussion formuliert werden.
Das andere, was mir nicht so gut gefallen hat, war die Moderation, die praktisch gar nicht stattfand. Klar, es gibt ein Programmheft, aber ich finde es immer hilfreich, wenn der Moderator den Referenten und den Vortrag kurz vorstellt und somit ein wenig die Ausrichtung klar macht, warum genau dieser Vortrag für die Konferenz gewählt wurde. Stattdessen gab es immer nur ein „So, jetzt kommt xy, viel Spaß“. Dann kann ich es mir die Moderation auch gleich schenken. In Verbindung mit meinem vorherigen Kommentar – schön ist es auch, wenn der Moderator nach dem Vortrag noch eine Frage an den Referenten stellt und so die Diskussion in Gang bringt.
Alles in allem, leider etwas enttäuschend. Von anderen Teilnehmern habe ich ähnliches gehört, allerdings aber auch, dass die decoded letztes Jahr wirklich toll gewesen sein soll. Bevor ich mir also nächstes Jahr mein Ticket kaufe, werde ich etwas stärker auf die Themen und Referenten schauen und ich würde mir wünschen, dass mein Feedback zu Präsentationsformat und Moderation gehört wird.
Und – das nächste Mal bitte auch mit WLAN. Da war ich echt baff, dass es keins gab.












